Spendentipps
Als Förderin und Förderer sollten Sie ein Grundwissen über das entsprechende Arbeitsgebiet haben. Insbesondere über aktuelle Entwicklungen sollten Sie Bescheid wissen. Suchen Sie deshalb den Kontakt mit Projekten und Menschen, die auf diesem Gebiet arbeiten! Hier stoßen Sie auf Erfahrung, Expertise und unterschiedliche Perspektiven auf das Themengebiet.

Wenn Ihnen ein interessantes Projekt "begegnet", schreiben Sie an die Kontaktadresse, lassen Sie sich Rundschreiben oder Jahresberichte zuschicken. Ein Jahres- oder Geschäftsbericht sollte Informationen über die Arbeit im vergangenen Jahr enthalten, sowie die selbstgesteckten Ziele, und ob sie erreicht wurden. Wie beurteilt die Organisation ihre eigene Wirkung und ihren Erfolg?

Ein besonderes Augenmerk werden Sie sicher auf die Verwaltungskosten haben. Seien Sie umsichtig in der Beurteilung der entsprechenden Haushaltsposten – es gibt keine feststehenden Standards, in welcher Rubrik die verschiedenen Tätigkeiten angeführt werden. Personalkosten werden z.B. manchmal getrennt ausgewiesen und manchmal anteilig den Aufgaben der Organisation zugeordnet; Werbeausgaben können entweder bei "Verwaltung" oder bei der inhaltlichen Arbeit untergebracht sein, ebenso die Kosten, die durch Projektbetreuung entstehen.

Viele nehmen als Richtschnur bei der Beurteilung von Organisationen, dass nicht mehr als 25 % des Haushalts auf Verwaltungsaufgaben entfallen sollen, andere halten bis zu 35 % für vertretbar. Neue Organisationen, neue Themenfelder oder auch Arbeit, die besonders komplex und riskant ist, können aber einen größeren Teil des Haushalts beanspruchen. Beurteilen Sie deshalb bei der Einschätzung von Projekten und Organisationen zuerst den Inhalt der Arbeit und ihre Qualität, und erst danach den Haushalt und die Finanzen!

Der aktuelle Skandal um Fundraising-Kosten bei UNICEF hat das - für Fundraiser - alte Thema des Fundraising auf Provisionsbasis an die Öffentlichkeit gebracht. Der deutsche Fundraising-Verband rät seit vielen Jahren davon ab und erarbeitet einen umfassenden Ethik-Codex. Dass es weiterhin geschieht, liegt sicherlich an der relativ dünnen Finanzdecke selbst namhafter Institutionen. Fundraising kostet Geld, lange Jahre bevor es Geld einbringt (man spricht von drei Jahren bis zum „break even“). Im Unterschied zu Unternehmen können spendensammelnde Einrichtungen schlecht Darlehen aufnehmen. Ein Wachstum ist auf diese Weise schwer zu erzielen, und da erscheint das problematische Fundraising auf Provisionsbasis als attraktive Lösung.

In der Folge dieses Skandals setzten sich nun auch spendensammelnde Organisationen für mehr Transparenz und schärfere Kriterien in der Prüfung spendensammelnder Organisationen ein. Der Deusche Spendenrat setzt auf standartisierte Selbstauskunft im Jahresbericht; eine Initiative, angeführt von der Welthungerhilfe u.a., fordert in einem Neun-Punkte-Programm mehr Auskünfte und die Einrichtung einer entsprechenden Datenbank beim DZI, aber auch Verständnis, dass Spendenwerbung eben Geld kostet. Eine Darstellung finden Sie hier.

Ohne Frage ist es besonders attraktiv, Projekte im eigenen Umfeld zu unterstützen. Allerdings gibt es gerade in Regionen mit wenig privatem Reichtum soziale Probleme. Die dort arbeitenden gemeinnützigen Organisationen müssen sich Förderer in der Ferne suchen. Kommen Sie ihnen entgegen! Wenn Sie gerne nah dran sein wollen an dem, was mit Ihren Spendengeldern passiert: "adoptieren" Sie eine Gruppe in einer entlegenen Region, reisen Sie vor Ort und lernen Sie das Projekt persönlich kennen.


Wo können Sie sich informieren?
  • Eine hilfreiche Quelle zum Thema Spenden ist das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin. Es sammelt Daten zu mehreren hundert deutschen sozialen Organisationen; im alle zwei Jahre erscheinenden Spenden-Almanach sind knapp zweihundert davon abgedruckt, weitere können angefordert werden. Der Spenden-Almanach und die Internetseite des DZI liefern auch Spendentipps zu Einzelthemen wie Altkleidersammlung und Kinderpatenschaften.

  • Von Greenpeace Magazin stammt „Das NGO-Handbuch“, ein Verzeichnis von über vierhundert Initiativen, Organisationen, Einrichtungen der Arbeitsfelder Umwelt-Natur-Tiere, Menschenrechte-Demokratie-Soziales-Gesundheit, Frieden-Abrüstung. Greenpeace Magazin (Hrsg.): Das NGO-Handbuch, Hamburg 2007.

  • Unter www.spendenportal.de finden Sie im Internet nicht nur eine Datenbank gemeinnütziger Organisationen, sondern auch von Organisationen, die ehrenamtliche Mitarbeit suchen, und eine Spendenbörse, wo Sie Sachspenden zur Verfügung stellen können.

  • Der "Spendenspiegel", in der Printversion eine kommerziell erstellte Broschüre, die häufig bei Notaren, Beerdigungsinstituten u.a. ausliegt, listet unter www.spendenspiegel.de (auch für –.ch und –.at) Organisationen nach Thematik und Adressen auf.

Wenn Sie sich näher für eine Organisation interessieren, gehen Sie zu einer ihrer Veranstaltungen! Oder Sie können für eine Organisation, die in Ihrer Nähe arbeitet, ehrenamtlich arbeiten – so bekommen Sie direkten Einblick in die Arbeitsweise der Organisation, in die Qualitäten der Geschäftsführung und der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Stärke der beteiligten Gremien und die Teilhabe ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an der Arbeit. Nichts wird Ihnen einen besseren Eindruck von der Arbeit einer Organisation geben als das gemeinsame Aufräumen spätabends am Ende des Sommerfestes!

Überlegen Sie sich, einer Organisation eine größere Summe zu spenden? Je nach Größe des Projektes fängt die Kategorie der "Großspender" bei 200 Euro oder auch bei 5.000 Euro an. Dann können Sie erwarten, dass ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin oder ein Mitglied der Gremien Ihnen persönlich Gesprächszeit zur Verfügung stellt und Ihnen regelmäßig über Neuigkeiten aus der Organisation berichtet. Wenn Sie sich große Spenden überlegen, ist es wichtig, dass Sie auch bedenken, über wie viele Jahre und mit welcher Summe insgesamt Sie sich engagieren möchten, dass Sie den gegenwärtigen und geplanten Haushalt des Projektes überprüfen und, wenn möglich, die Organisation besuchen.




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