Tipp des Monats Mai

"Besser Spenden" hat weiterhin den Kopf voller Ideen, mindestens monatlich. Allerdings scheint die Phase vorbei zu sein, wo ich auch die Zeit hatte, solche Ideen für andere regelmässig aufzuschreiben. "Meine" Dreilinden gGmbH ist inzwischen ein kleines aber bedeutendes Rädchen in der Maschine der internationalen SOGI-Menschenrechtsarbeit, und meine Wenigkeit ist dort gefragt.

Halbgar oder routinemässig mag ich nichts verschicken. Deshalb setze ich vorläufig aus und melde mich wieder, wenn eine neue Phase eingetreten ist, oder ein "besser spenden!"-Thema sich wirklich aufdrängt.

Deshalb ist der folgende TIPP des Monats Mai 2012 der vorläufige Abschluss dieser Reihe. Es ist eine Anregung zur Selbstorganisation. Sie kommt aus einem Workshop der eben verflossenen Pecunia-Jahrestagung und ist dementsprechend speziell an Glieder der Parallelgesellschaft der einkommensstarken Personen gerichtet.

Für Menschen, die eigentlich gern mehr spenden würden, und denen dabei eine Richtschnur fehlt.

Man/frau nehme: den letzten gültigen Einkommensteuerbescheid - also nicht die -erklärung sondern das Formular, das irgendwann vom Amt zurückkommt (und bei mir irgendwie IMMER unter Vorbehalt der Nachprüfung steht). Weisses Papier; doppelseitig bedruckt; Stil: rustikal.

Finde (meist unten auf der 1. Seite) die Überschrift " g e s o n d e r t e F e s t s t e l l u n g nach §10b Abs. 1 EStG" und die Zeile "im Kalenderjahr (der Steuerbescheinigung) geleistete Spenden und Mitgliedsbeiträge nach § 10b EStG". Das sind die Spenden, für die Zuwendungsbestätigungen eingereicht wurden, früher hiessen die Spendenbescheinigungen.

Finde (meist auf der 2. Seite) die überschrift " B e s t e u e r u n g s g r u n d l a g e n - Berechnung des zu versteuernden Einkommens", und dann: "Gesamtbetrag der Einkünfte" (also das Bruttoeinkommen).

Wie stehen die beiden im Verhältnis? Wie wäre es mit einem Richtwert von 1:10, übertragen auf das aktuelle Jahr? Das ist der gute alte religiös engagierte Zehnt - für manche zu hoch, für manche zu niedrig, bitte gerne anpassen.

Und für die unter uns, die das Nehmen noch schwerer finden als das Geben: Wie wäre es, die gleiche Summe auch für sich selbst auszugeben, also echt für sich selbst?

Das wäre dann "Spenden und Nehmen, ausbalanciert auf einer Richtschnur von 10% des Einkommens."

Ein Modell mit begrenzter Anwendbarkeit, natürlich, aber unter den anwesenden Pecunia-Frauen fanden einige das hilfreich.

Immer interessiert an Rückmeldungen,

herzlich,
Ise/Bosch


Tipp des Monats Dezember


Mit "season's greetings" im fortgeschrittenen Dezember diesmal ein Text über eine für mich vorbildliche Stifterin.

Ich hab's ja relativ leicht mit meinem ethisch hochwertigen Erb-Grossvater, Robert Bosch d.Ä.. Natürlich bleiben da 1000 Themen übrig - persönlich für mich die privilegierte Herkunft (die viele Licht- und auch Schattenseiten hat); historisch die Mitwirkung in der Waffenproduktion und die Zwangs- und Sklavenarbeit im NS; das tiefe Eingebundensein in den Kapitalismus mit seinen ethisch nicht hochwertigen Konsequenzen. Aber dennoch - für mich wär's ein anderes Bild, wenn das Erbe auf sehr ungute Weise entstanden wäre.

Deshalb meine Bewunderung für Hilde Schramm. Kürzlich lief im ZDF die Guido-Knopp-Sendung über die "Geheimnisse des Nationalsozialismus" zu Albert Speer, Hildes Vater (als Teil einer sechsteiligen Serie, im Handel erhältlich). Bekannt war mir Hildes Motivation für ihre Stiftungsgründung "Zurückgeben". Neu waren für mich Details der Geschichte damals.

Guido Knopp, na ja. Kanonenmusike im Hintergrund, überdidaktische Bilder und Kommentare, ein fast schon peinliches Hineinhämmern der zentralen Argumente und Ausblenden von Komplexität - natürlich, aber das wissen wir und können es einordnen. Ich denke mir den anderen Teil der Geschichte aus der Perspektive der Tochter. Hilde war über Jahrzehnte damit konfrontiert, dass der Vater sich häufig öffentlich äußerte, aber dennoch wesentliche Fakten verschweigt, die ihn zu einer zentralen Täterfigur des Holocaust machen - auch in seiner vielbeachteten Autobiographie.

Dann, in den siebziger Jahren, tauchte Speers Gemäldesammlung wieder auf. Er hatte sie in der Nazizeit zusammengekauft und zu Kriegsende in Sicherheit bringen lassen. Es liegt nahe, dass zumindest ein Teil aus jüdischen Zwangsverkäufen stammte. Speer selbst ließ seinen Teil der Bilder Stück für Stück durch das Kölner Kunsthaus Lempertz verkaufen, diskret und gegen bar - damit es nicht so auffällt und der Preis nicht sinkt, weil doch einmal herauskommt, dass ein Bild "Albert Speer" im Stammbaum hat.

Weitere Bilder wurden in der Familie aufgeteilt. Hilde wollte ihren Anteil erst gar nicht haben, aber dann entschied sie sich, etwas dagegen setzen. Aus so viel Übel musste auch etwas Gutes kommen. Sie machte sich an die Arbeit - gezielt nicht alleine, sondern mit anderen Frauen. Gemeinsam entwarfen sie die Idee der "Stiftung Zurückgeben": Erlöse aus geerbtem Raubgut - oder einfach Spenden - für Stipendien für jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen. Hilde wusste, sie war nicht die Einzige in dieser Situation, und wollte mit dieser Lösung des moralischen Dilemmas - Erbe oder Erbin eines unmoralischen Vermögens zu sein - eine Sogwirkung zu erzielen. Sie führte über Jahrzehnte die Stiftungsgeschäfte, und dann gelang ihr die Übergabe erst andere und dann auch an jüngere Frauen, so dass die Stiftungsarbeit gut weitergehen kann.

Es kommt genügend Geld herein, um die Stiftung lebensfähig zu halten, aber die große Sogwirkung hat sich leider nicht eingestellt. Nur wenige sind bereit oder interessiert genug, um sich den persönlichen und familiären Konflikten zu stellen, die hier lauern; nur wenige wollen Familienerbe zurückgeben, auch wenn der Verdacht besteht, dass Teile aus Raubgut bestehen. Die "Stiftung Zurückgeben" ist gleichzeitig ein Lösungsmodell und ein Hinweis auf diese bleibende Leerstelle.

"Chapeau" ist nicht das richtige Wort hier. Danke ist besser. Hilde Schramm hat mit einem schwierigen Erbe positives geschaffen, wozu in meinen Augen auch diese mahnende Leerstelle gehört. Wenn so etwas gelingen kann, dann kann das auch die "normale" Spenderin und der "normale" Spender.

Besser Spenden! wünscht allen ein gutes und tatkräftiges Jahr 2012.


Tipp des Monats November

Wer hat behauptet, ein "Tipp des Monats" müsse jeden Monat erscheinen. Als Tageszeitungen neu waren (das hörte ich im Radio) sagten die Leute: keine Frage, da wird gelogen - es passiert doch nicht jeden Tag etwas.

Nun, seit August ist zwar einiges passiert, aber mir kam nichts auf den Schreibtisch, was ich dieser geneigten LeserInnenschaft unbedingt unterbreiten wollte. Deshalb erst jetzt der

Besser Spenden! TIPP des Monats November 2011.

Mir gefällt die Broschüre zum 50. Jubiläum der GLS-Treuhand ausnehmend gut. Warum? Tja, dazu voraus mein "coming-out des Monats" - ich war Waldorfschülerin, eine von denen, die anschließend nicht viel mit den "Anthros" zu tun haben wollte. Weltanschauung Nein Danke! Ich fand selbst die schiefen Buchstaben auf dem Völkl-Obstsaft eher abstoßend. Aber als ich Grüne Geldanlagen lernte, fing mich an zu interessieren, dass Deutschland in der anthroposophischen GLS-Bank in Bochum eine Einrichtung besitzt, die einerseits solide mit Geld arbeitet, andererseits vom Selbstverständnis her "Ausland" für das traditionelle Bankenwesen ist. Statt dem Rendite-Risiko-Liquiditäts-Dreieck hier ein Viereck (hinzu kommt "Sinn"). Wenn "Sinn der Geldanlage" zum Anlagekriterium wird, dann können Rendite oder Wachstum nicht zum Selbstzweck werden. Auch wer nicht so esotherisch werden möchte: die Transparenz dieser Bank gefällt allen.

Nun geht die GLS-Bank auf eine Einrichtung zurück - heute GLS-Treuhand genannt - deren Zweck Dienstleistungen im Bereich "Schenkgeld" waren und sind. "Da hilft nur Schenken" heisst denn auch besagte Jubiläumsbroschüre. Mit frischen, kenntnisreichen und tiefgehenden Beiträgen über Schenk-Moral in Christentum, Judaismus, Islam und mit etlichen Texten über die gesammelten Erfahrungen der Einrichtung und die Finanztheorie von Rudolf Steiner. Es tut richtig gut, das Schenken einmal ernst zu nehmen. "Soziales Unternehmertum" und Mikrokredite in allen Ehren. Aber inzwischen wird doch schon fast als für dumm oder altmodisch erklärt, wer Geld gibt und dafür nicht unbedingt eine finanzielle Belohnung sehen möchte, sondern auch da unterstützen möchte, wo keine Gegengabe zu erwarten ist. Dazu in der Broschüre: "Schenken ist die einzige finanzielle Transaktion, die mit dem Geschenk Werte vermittelt". Bei Keynes kommt so etwas nicht vor, da gibt es nur Konsum und Investition. Was ist das überhaupt für eine Welt, wo wir mehr oder weniger jede finanzielle Transaktion als Verpflichtungsgeschäft betrachten? Was bilden wir uns denn ein? Die christliche Ethik beispielsweise - dargestellt in der Broschüre - macht die Gabe, nicht das Geschäft, zur Grundlage aller Moral: "Was bist du, dass dir nicht gegeben wäre?"

Zudem ist einfach nicht jede Situation rendite-fähig. Rendite ist "sexy", klar, und Unternehmertum schafft Werte, aber wenn nur die Rendite zählt, dann wird zu kurzfristig gedacht und gehandelt, und unverantwortlich. In Europa klappt doch gerade der ganze schöne Rendite-Mechanismus über uns zusammen, ob all der langjährigen finanztechnischen (Selbst-)Betrügereien.

Besser Spenden! empfielt auch Nicht-AnthroposophInnen: "Da hilft nur Schenken - Mit Schenken und Stiften die Gesellschaft gestalten", zu beziehen über den Buchhandel oder online: http://www.gls-treuhand.de/50-jahre-gls-treuhand/jubilaeumsbuch/


Tipp des Monats August

Auf aktuelle Spendenaufrufe reagieren oder nicht? Und wenn ja, wie? Im November letzten Jahres hatten wir das Thema "Spenden in Krisengebiete" am Wickel; hier ein Tipp zu Katastrophenspenden, anlässlich der Dürre am Horn von Afrika. Der Herausgeber PHINEO ist eine relativ junge berliner Einrichtung; als GmbH (initiiert durch die Bertelsmann-Stiftung) ist ihr Stil businesslike; dementsprechend praxisnah ist ihre Veröffentlichung, zu finden unter http://www.phineo.org/services/ratgeber/ratgeber-katastrophenhilfe/

Besser Spenden! rät, wie immer: besser dauerhaft spenden als anlassbezogen. Natürlich wollen wir angesichts der akuten Not helfen, das ist richtig und gut, aber wir brauchen Vorsorge, und strukturelle Ansätze. Also nicht NUR Katastrophenhilfe.


Tipp des Monats Juli

Kürzlich fand ich ein "Textle" aus dem letzten Jahr wieder - ich gebe es gerne als Sommerlektüre in die Runde! Es geht nicht um's Spenden; es ist eher ein Blümchen, von der reisenden Menschenrechts-Philanthropie-Aktivistin am Wegrande gepflückt... Viel Freude beim Lesen!

Ms. Unicef

Ein Abend Anfang Mai, schon fast dunkel, kühl und windig. Ich bin eben in Genf gelandet, leider keine Berge zu sehen, dafür eine hervorragende Überraschung auf der Busfahrt vom Flughafen zum Hotel in der Stadt: der Bus kreist erst einmal ums Flughafengelände, nimmt die Fracht-Mitarbeiter mit und lässt sie an unwahrscheinlichen Orten wieder raus - Straßenkreuzung mitten im Nichts, gleich an der Autobahn... dann geht es durch ein sehr normal wirkendes Wohn- und Gewerbeviertel auf den Hügel hinauf. Oben staune ich: moderne und ehemals moderne Bürogebäude, alle irgendwie besonders oder besonders riesig, UN-Flagge obendrauf und statt eines Firmennamens lustige Buchstabenkürzel mit Bindestrich - ILO-OIT, IOM-OIM, ONU-UN. Alte Bäume dazwischen, blühende Kastanien, Rhododendren aller Farben. Kein Verkehr, keine Menschen, nach sieben Uhr abends sei "auf dem Hügel" nichts mehr los, höre ich später. Gute Plastik! Und eine gewisse Eleganz, wenn auch etwas ältlich.

Jardin Botanique, "Terminüss", ich steige aus mit meinem Koffer und frage die ältere Dame, die mit mir aussteigt, nach "Hôtel Mon-Repos". Sie ist um die siebzig, ziemlich klein, geht unsicher, trägt einen altmodischen Mantel, wirkt gebildet und etwas nervös. Sie versteht mich erst nicht, muss erst mein Französich als solches ausmachen, dann kennt sie aber das Hotel, es sei nicht weit, sie ginge auch in dieser Richtung. Und sie fragt mich aus, in einem etwas rostigen Englisch mit vielleicht spanischem Akzent: was ich hier mache - ein Informationsbesuch bei der UNO für Menschen, die in Menschenrechtstiftungen arbeiten. Ah, interessant! Da müsse sie dringend mit mir sprechen, "important things about the rights of the child!" Sie wohne direkt hier, könne sie mich nicht gleich in der Hotelbar treffen? Aber erst müsse sie leider zurück zum Flughafen, sie habe dort etwas vergessen. In einer Stunde sei sie gewiss wieder da, gegen zehn Uhr, ich solle doch auf sie warten.

Na gerne! Ich habe nichts anderes vor. Wir trennen uns schon, da ruft sie mich noch einmal zurück: sie brauche ja meinen Namen. "Bosch, as in the car parts" versteht sie sofort, stellt sich selbst mit "Larsen" vor, oder so ähnlich, mit gerolltem "R". Ich freue mich über diese seltsame Stadt mit Passanten auf nächtlicher Menschenrechts-Mission.

Später warte ich umsonst in der Bar, auch am Morgen keine Nachricht an der Rezeption. Für mich folgen einige Tage mit anspruchsvollem Programm über UN-Menschenrechts-Mechanismen, "treaty bodies", "special procedures", Folter, Migration, Länderreports, gutes Essen, Besichtigungen dieser eindrucksvollen UN-Gebäude. Ms. Larsen und die wichtigen Dinge über die Rechte des Kindes sind mir schon fast entschwunden.

Erst auf dem Weg zum Flughafenbus denke ich an Ms. Larsen. Sie hatte auf einen jener Hauseingänge gezeigt: "ich wohne hier". Ich umrunde das Gebäude und sehe in großen Lettern - es ist das Unicef-Gebäude! Ms. Larsen wohnt IN der Unicef! Kein Wunder, dass sie wichtiges zu den Rechten der Kinder zu verbreiten hat. Ist sie vielleicht eine ehemalige Mitarbeiterin? So fleissig, dass sie im Büro eingezogen ist, und dann war es irgendwann zu spät, wieder auszuziehen? Da blieb sie eben, schläft nun auf dem Sofa auf dem Flur und macht sich Tütensuppen in der Mikrowelle. Oder sie ist gar die langjährige Chefin? Pendelt nachts zwischen dem Büro und dem Flughafen auf der verzweifelten Suche nach ihrer Tasche mit dem Skript der morgigen Rede? Oder sie ist eine Art Mr. Binz, Lehrer für Geschichte der Zauberei in Hogwarts, der nach einem langen Arbeitsleben schliesslich verstarb, und aus Gewohnheit einfach weiter unterrichtete? Oder eine Verkörperung der UNO selbst - in Ehren gealtert, elegant, permanent inspiriert, aber dann verläuft sich doch so manches im Dunkeln...

Im Bus und am Flughafen sehe ich "Ms. Larsen" leider nicht wieder. Mit einer Verbeugung vor dem Unbekannten verlasse ich Genf.

Ise Bosch, 17.5.2010



Tipp des Monats Juni

"Langweiliges Thema", langfristige Spenden sind multiplizierte Spenden.

filia.die frauenstiftung hat in diesem Juni ihr Zehnjähriges begangen: mit einer Festveranstaltung und mit einer kleinen Konferenz, dem Regionaltreffen der europäischen Frauenstiftungen. "Women's fund" ist inzwischen eine Marke: Frauen und Mädchen stehen im Zentrum der Förderung, nicht als Hilfeempfängerinnen, sondern als die Macherinnen des sozialen Wandels (siehe auch www.inwf.org).

Und das habe ich mitgenommen von den Gesprächen mit und über die (mittlerweile dreizehn!) europäischen Frauenstiftungen: Einige von ihnen sind ähnlich alt wie filia.die frauenstiftung und damit in der "Altersklasse", wo frau schon eine deutliche Ahnung hat, wie Stiftungsarbeit soziale Bewegung langfristig wirksam befördern kann.

Wie das geht? Selten geht es schnell. Der soziale Wandel ist eine Schnecke. Nur ab und an gibt es schnelle Erfolge: ein erstrittenes Rechtsurteil; ein Lobby-Erfolg; plötzlich einmal gute Zusammenarbeit mit den Behörden. So etwas kommt vor, aber es ist nicht der Normalfall. Die Projekte, die dieses schwierige Handwerk beherrschen, brauchen langfristige Unterstützung. Gute Akteurinnen sind vorhanden; fast alle von ihnen leiden unter der schlechten Ausstattung ihrer Einrichtungen.

Die Kollegin von der ukrainischen Frauenstiftung brachte es so auf den Punkt: "Projektförderung bekommen wir zu genüge - was uns fehlt, sind freie Gelder, und langfristige Förderung".

Diese Botschaft betrifft natürlich nicht nur fördernde Stiftungen, sondern auch uns Spenderinnen und Spender. Denn auch private Förderer und Förderinnen können gezielt spenden.

Besser Spenden! empfielt: Am besten zu Themen spenden, die wir persönlich kennen und bei denen wir abschätzen können, welche Vorgehensweise wirksam sein könnte. Am besten an diejenigen Einrichtungen spenden, deren Arbeit uns prinzipiell überzeugt - und dann die Ausgestaltung den Fachpersonen überlassen. Eine Spendenzusage über mehrere Jahre hinweg machen. Das damit ausgedrückte Vertrauen vervielfacht die Wirkung unserer Spenden. Besonders wirksam ist das bei kleineren Organisationen, wo Ihre Spenden wirklich einen Unterschied macht.

Es gibt spannenderes als diese Botschaft, sicherlich. Aber mehrjährige Spenden sind nicht nur sinnvoll, sondern einfach! Eine schlichte Liste derjenigen Spenden anlegen, die wir als richtig und wichtig empfunden haben - und dann diese Empfänger ein paar Jahre mit Spenden begleiten.



Tipp des Monats April

Es ist jetzt viel zu schön, um Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen. Deshalb, passend zum Draussen-Wetter, meine Empfehlung für ein Taschenbuch: Woody Tasch's „Inquiries Into the Nature of Slow Money – Investing as if Food, Farms, and Fertility Mattered“ (Chelsea Green 2010).

Tasch sucht die Schritte, die über „konventionelle“ nachhaltige Geldanlagen hinausführen. Er holt sich Inspiration vom „Slow Food Movement“ und von E.F. Schumachers „Small is Beautiful“. Es geht ihm um Verbundenheit mit dem eigenen Wohnort, übertragen gesprochen: die lokal produzierte Karotte, deren Genuss dem in der Toskana getrunkenen Brunello nahekommt.

Tasch war Präsident des illustren „Investor's Circle“ (Venture Capital für kleine und mittlere Unternehmen nach ethischen und ökologischen Aspekten), ist aber nicht mehr überzeugt, denn auch hier gälte das „Mantra“ der klassischen Ökonomie („der Markt verlangt Wachstum“ - ohne schnelle Rendite keine Investitionen). Zitate sind seine Stärke: „If you're going in the wrong direction, it doesn't matter how you get there“ - Paul Hawken. Qualitatives Wachstum bräuche „Slow Money“. Tasch hinterfragt den aktuellen Nutzen der börsenkotierten Unternehmen – zu Beginn des industriellen Zeitalters seien sie ein fantastisches Mittel zum Fortschritt gewesen; heute führten sie zur Entfremdung der Investoren von ihrer direkten Umwelt.

„Slow Money“ wird gerade in den USA zu einer kleinen Bewegung. Die Internetseite listet zahlreiche Investitionsmöglichkeiten in den USA auf, die grob den Direktinvestitionsangeboten der GLS-Bank ähneln. Von hier aus wohl kaum investierbar.

Aber es ist erfreulich, dass auch die USA weiterhin selbstkritische Köpfe hat. Tasch schreibt über die virtuellen „Twin Towers“, die mitnichten gefallen seien: „Der Markt verlangt nach Wachstum“, und „der American Way of Life ist nicht verhandelbar.“ Er hinterfragt, was an „9/11“ so neu gewesen sei, dass damit ein neues, US-patriotisches Zeitalter begonnen haben soll, in dem dem Krieg gegen den Terror mehr zählt als alles andere. Die USA werden seit vielen Jahrzehnten wegen ihres Imperialismus angegriffen.

Enttäuscht hat das Buch meine Suche nach Antworten auf die Frage, wie wir mit Investitionen einen spürbaren und auch schnell wirksamen Unterschied machen können. „Small is beautiful“ - also die holistische Herangehensweise – ist sicherlich richtig. Aber so wie die Dinge stehen, brauchen wir qualitatives Wachstum (im Unterschied zum quantitativen), und wir brauchen es schnell und umfassend. Vielleicht hilft das „Brunello-Argument“: wirtschaftlich in Betracht zu ziehen, dass gute und nicht schädliche Produkte mehr Genuss bereiten. Es könnte auch für EntscheidungsträgerInnen der großen Unternehmen eingängig sein.

Tipp des Monats März

Japan. Spenden für Hilfe für die Erdbebenopfer? Für die Flüchtlinge aus den durch Radioaktivität bedrohten Gebieten? Das Land ist an sich reich und arbeitet kaum mit internationalen Hilfsorganisationen zusammen. Ausländische Organisationen reisen nicht selbst an, sondern kooperieren beispielsweise mit dem japanischen Roten Kreuz. Die Spendenwelle rollt schon an, das Deutsche Rote Kreuz spricht (Stand 19. März) von fast drei Mio. Euro erhaltener Spenden für Japan.

UN-PRI, die Organisation für nachhaltig arbeitende Investoren bei den Vereinten Nationen, empfielt Spenden an die Japan Platform JPF, http://www.japanplatform.org/E/index.html. Das ist ein größerer Zusammenschluss japanischer Katastrophenhilfsorganisationen, die normalerweise ihre Dienste in anderen Weltregionen anbieten – nun in Nordost-Japan.

Ich persönlich kenne weder das japanische Rote Kreuz noch diese Plattform. Nach dem Tsunami 2004 sprach man vom "Spenden-Tsunami", der auch viel Unheil angerichtet habe, wenn das Geld vor Ort in falsche Kanäle kam und lokale Feindschaften vertiefte. Dies mag in Japan weniger das Problem sein. Aber diese Spenden-Wellen kreieren auch ungewollte Nebeneffekte; besser sind grundsätzlich langfristige Spenden an gut bekannte Einrichtungen.

Was sagt das DZI in Berlin? Sie haben eine Liste von deutschen Hilfsorganisationen mit "Spendensiegel" für Japan ins Netz gestellt, siehe
http://www.dzi.de/downloads/DZI-Spenden-Info-Erdbeben-und-Tsunami-Japan-3.pdf

Ich finde die darin enthaltene Warnung abschreckend:

"In welchem Umfang bei der aktuellen Notlage ausländische Hilfe durch Personal und Sachmittel sinnvoll eingesetzt werden kann, ist zurzeit noch nicht absehbar. Auch ist wegen der radioaktiven Strahlung in Teilen der Katastrophenregion die Entsendung von Hilfskräften nur bedingt möglich."

Wohlgemerkt, das DZI prüft nicht die Arbeit der NGO’s, nur die Bücher.

Eine echte Fülle von Spendengelegenheiten findet sich aber angesichts des wieder aktuell gewordenen Atomausstiegs hierzulande. Ich beobachte Nachtschichten bei Greenpeace – bei den anderen NGO’s zum Thema wird’s nicht anders sein.

Nicht zu vergessen: die persönliche Ausstiegsoption! Attraktiv und Anbieter-neutral aufbereitet unter http://www.atomausstieg-selber-machen.de/. Die Initiative ist momentan sehr stark gefragt und bittet um – Spenden.

Tipp des Monats Februar

"USA" - das image ist trübe geworden spätestens seit George W. Bush, und auch unter Obama wird mir persönlich das meiste von dort zunehmend fremd.

Aber ich habe dort studiert, bin im grünen Oregon in einem wunderbar subversiven Klima politisiert worden. Links, aber etwas menschlicher, als das hierzulande der Fall gewesen wäre. Gerade als Erbin war das für mich prima, und ich bin dankbar dafür.

Und für Menschen, die sich für Philanthropie interessieren, sind und bleiben die USA nun mal das Land des reichhaltigen Diskurses, der relativ guten Datenlage, der Transparenz. Weshalb ich mich gerne auf dem Laufenden halte, und heute ein bisschen davon weiterreichen möchte.

The Giving Pledge“ (Bill Gates’ und Warren Buffets Kampagne für Spenden-Versprechen von sehr Reichen; 600 Mrd. Dollar sollen inzwischen zugesagt sein) wurde in den USA eher unkritisch rezipiert. Pablo Eisenberg, senior fellow am Georgetown Public Policy Institute, greift das nun an. Man hätte, vor lauter Begeisterung, bekannte Fakten über das Spendenverhalten von sehr Reichen übersehen, Volumina falsch eingeschätzt, und aus den Augen verloren, dass diese Kampagne unerwünschte Nebeneffekte haben kann.

Der volle Artikel ist unter http://onphilanthropy.com/2011/pablo-eisenberg-unintended-consequences-of-giving-pledges-good-intentions/ zu finden.

Es geht laut Hrn. Eisenberg nicht um 600 Mrd. Dollar – die meisten versprochenen Gelder werden in Stiftungen eingebracht. Stiftungen müssen in den USA jährlich immerhin 5% ihres Vermögens ausschütten (das ist anders als hier, wo sie nur verpflichtet sind, in Höhe ihrer Erträge zu fördern). Aber auch dort verstehen sich Stiftungen als auf Dauer gegründet, die Vermögen der „Giving Pledge“ werden also nach Möglichkeit in den Stiftungen verbleiben.

Noch mehr betont Pablo Eisenberg aber, dass die „Giving Pledge“- Kampagne, so gut sie gemeint sein mag, eine Gefahr für die Demokratie darstellen kann, aus folgendem Grund: in den USA weiss man, dass sehr Reiche vorrangig Insitutionen der Oberschichten fördern, also private Hochschulen, Universitäten, Kultur, Museen. Soziale Dienste weniger. Und man weiss, dass die US-Oberklasse auch in Krisenzeiten ihr Spendenverhalten beibehält – also dann, wenn direkt helfende soziale Einrichtungen ihre Leistungen einschränken müssen. Es gibt keine Hinweise, dass die Giving Pledge dies ändern sollte. Die Kampagne stellt keine Richtlinien. Pablo Eisenberg befürchtet deshalb, dass diese Initiative die Gesellschaft weiter spalten wird, statt zu helfen.

besser spenden“ hat im Tipp des Monats September 2010 ähnlich argumentiert und empfielt: die sehr Reichen haben nun einmal die Freiheit, zu spenden oder nicht, und an wen sie wollen. Das kann man wertschätzen oder nicht. Wir sollten aber zusehen, dass wir strategisch spenden. Dass unser Gemeinwesen durch Philanthropie gestärkt wird. Zur Orientierung guten Rat suchen, und bereit sein, professionellen Rat auch zu bezahlen. Die Spender-Qualifizierung ist bei uns noch recht schwach entwickelt, dem sollten wir abhelfen.

Tipp des Monats Dezember

Als ein Mensch, der gerne hilft (wenn's mir denn gelingt), stört mich der seltsame Vorwurf des "Gutmenschentums". Alle helfen immer mal wieder irgendwo - aber wenn die reiche Person das mit Geld macht, begegnet sie häufig einem Misstrauen, als sei sie entweder arrogant, hielte sich für etwas besseres, oder verstecke hinter der guten Tat nebulöse schlechte Motive.

So spricht mir Stefan Klein aus der Seele mit seiner neuen Veröffentlichung, "Der Sinn des Gebens: Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und wir mit Egoismus nicht weiter kommen", S. Fischer Verlag, 335 S., 18,95 Euro), ganz dem Sinn und der Wirkung des Altruismus und der Grosszügigkeit gewidmet.

Kleins Fragestellung beginnt mit Charles Darwin. Laut dessen Theorie, aus der später das "survival of the fittest" gemacht wurde, müssten Altruisten schon lange ausgestorben sein; denn die Gene jener Menschen, die sich für andere aufopfern, würden nicht weitergegeben. Aber es gibt sie, die altruistisch handelnden Menschen. Nicht nur als Anhänger des "reziprotiven Altruismus" (geben, um zu empfangen), sondern auch dann, wenn eine Belohnung nicht absehbar oder überhaupt möglich ist. Nicht nur, um die Gene des eigenen Stammes zu schützen - das war lange die Theorie des Altruismus - sondern aus einem eingeübten Gerechtigkeitssinn, aus einer Praxis des Teilens und Helfens heraus.

Dies sehr verkürzt aus Klein's umfassendem kultur- und wissenschaftsgeschichtlichem Abriss. Lesefreundlich geschrieben und immer nah am roten Faden. Er beschreibt die Spieltheorie nach John von Neumann (von Peter Seller verewigt als "Dr. Strangelove"), die den unbedingten Egoismus des homo oeconomicus propagierte und den Kalten Krieg mit prägte.

In den 80er Jahren zeigte sich dann in Spiel-Experimenten, dass sich blind vertrauenvolles Verhalten eindeutig auszahlt, mehr als das sture Verfolgen eigener Interessen. Gesellschaften kommen weiter, die solches Vertrauen üben und auch Missverständnisse zulassen können. Trittbrettfahrer (also jene, die dieses Vertrauen dann ausnutzen) sind allerdings ein grosses Problem, und es scheint dafür keine Lösung ausser gelegentlichen Bestrafungen zu geben.

Etwas zu kurz kommt mir bei Klein das Thema Angst und Furcht, in meinen Augen sehr wichtige Verhinderer von Grosszügigkeit.

Dafür sind gerade die neueren neurowissenschaftlichen Hypothesen - wenn sie denn stimmen! - interessant. Sie legen beispielsweise nahe, zwischen emotionaler Ansteckung" und "Einfühlung" zu unterscheiden. Wenn wir emotional angesteckt werden, empfinden wir den Schmerz der anderen mit, während Einfühlung in gewisser Weise abstrakt bleibt: wir fühlen mit, aber der Schmerz selbst bleibt aus. Und es scheint so zu sein, dass bei beiden Vorgängen ganz unterschiedliche Hirnregionen reagieren! Dieses Einfühlen, das "in die Schuhe des oder der anderen Schlüpfen" ist, so Klein, zentral für jene gesellschaftliche Errungenschaft des Altruismus.

Und glücklich macht das Geben, oder Spenden, ganz eindeutig. Menschen, die eine Geldsumme geschenkt bekommen und aufgefordert werden, es an Personen ihrer Wahl weiterzugeben, sind hinterher deutlich zufriedener als andere, die die Summe für sich selbst ausgeben durften.

Besser Spenden wünscht fröhliche Weihnachten!


Tipp des Monats November

Diesmal wird’s weniger erfreulich. Ich stehe unter dem Eindruck der Lektüre von Linda Polman’s Buch „Die Mitleids-Industrie – Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen“ (Campus 2010, 266 S., Euro 19,90).

Linda Polman ist Journalistin und seit Jahren in Konflikt-Regionen unterwegs. 1995 war sie in der Stadt Goma im damaligen Zaire, wohin die Hutu-Milizen in 25 Flüchtlingslager geflohen waren. Geflohen waren sie aus Ruanda, vor der Rache der von ihnen selbst gemordeten Tutsi, und nach Polman’s Schilderungen keineswegs friedlich gestimmt. Man nannte das damals „die Krise mit dem Landebahn-Effekt“ – weil Goma einen Flughafen hat, war die Weltöffentlichkeit dort, und die Hilfslieferungen. Inklusive beigepackter Waffenlieferungen.

Was Linda Polman an diesem und anderen Beispielen beschreibt, ist ein folgenschweres systemisches Problem, was Hilfsaktionen in Konfliktgebieten betrifft. Internationale Hilfsorganisationen konkurrieren um die Aufträge, Hilfe zu leisten – das macht sie im Kern unfähig, sich aus ethischen Gründen auch gegen ein Engagement zu entscheiden. Zudem haben diejenigen Organisationen, die sich in der Tradition der „humanitären Hilfe“ nach Henry Dunant begreifen, grundsätzlich den moralischen Auftrag, immer zu helfen, egal was die Nebenwirkungen sind. Ob Milizen den Großteil des Geldes abzweigen, welche Katastrophen bei Rettungsaktionen selbst passieren (wie 1984 bei der äthiopischen Hungesnot, als Hunderttausende auf die Schnelle umgesiedelt wurden, finanziert durch „live aid“-Gelder; die aktuelle Kontroverse ist leicht nachzurecherchieren). Linda Polman geht so weit, der „Hilfs-Industrie“ selbst die Schuld zu geben, daß Konflikte ausgedehnt und verschlimmert werden. In Einzelfällen kann sie das auch belegen.

Ein besonderes Kapitel ist Afghanistan. Erstens: Weil es dort extrem gefährlich ist, arbeiten die großen Hilfsorganisationen laut Linda Polman mittels Vertragspartner. Die Norm seien vier Ebenen. Eine echte Kontrolle, was mit Hilfsgeldern dort geschieht, sei kaum möglich. Ich persönlich würde sehr gezielt und transparent arbeitende, kleinere Organisationen wie Medica Mondiale von diesem Pauschalverdacht ausnehmen. Und zweitens gibt es in Afghanistan das spezielle Problem der „Vernetzten Sicherheit“ – um „Köpfe und Herzen“ der Bevölkerung zu gewinnen, binden die Militärkräfte zunehmend Hilfsorganisationen ein und verpflichten sie auch, sich ihrer Strategie zu unterwerfen. Die USA betreiben dies schon länger – Deutschland seit Sommer dieses Jahres. VENRO, der Zusammenschluß 120 deutscher Entwicklungshilfeorganisationen, kritisiert diese neuen Bedingungen scharf, siehe http://www.venro.org/kritik_sicherheitskonzept.html, auch Medica Mondiale wehrt sich dagegen.

Was wäre die Lösung für das Problem, dass Hilfsorganisationen eher gravierende unerwünschte Nebeneffekte hinnehmen, als im Wettbewerb um Hilfsaufträge zu passen? Laut Linda Polman müssten die Hilfsorganisationen übereinkommen, unter welchen Bedingungen sie Aufträge übernehmen. Und den Wettbewerb um Hilfsaufträge beenden, indem nur wenige Organisationen jeweils in eine Krisenregion „gehen“. Solch eine Übereinkunft müsste bindend sein - unverbindliche Übereinkünfte gäbe es bereits; die seien wirkungslos. So eine freiwillige Selbsteinschränkung scheint mir aber eher unwahrscheinlich – schliesslich konkurrieren die Organisationen auch auf dem Spendenmarkt, jeweils anhand ihrer Arbeit in Krisenregionen.

Besser Spenden! empfiehlt: das Buch, und keine Spenden an Hilfsorganisationen in Konfliktregionen (Naturkatastrophen ausgenommen). Es sei denn Sie wissen recht genau, was dort geschieht. Exzellente Spendengelegenheiten gibt es immer (Weihnachten naht)!

Tipp des Monats Oktober

Woraus "Geben" besteht, wird in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen sehr unterschiedliche verstanden. Manche zählen die Münze für die Bettlerin dazu, andere doch eher eine ordentliche Spende an eine registrierte gemeinnützige Organisation.
Für den diesjährigen "World Giving Index" fasste die Charities Aid Foundation, via Gallup, das Thema in drei Fragen:

Haben Sie im letzten Monat Geld gegeben?

Haben Sie sich im letzten Monat ehrenamtlich engagiert?

Haben Sie im letzten Monat einem oder einer Fremden geholfen?

Besonders letztere Frage bringt interessante Ergebnisse: Hilfe für Fremde ist weltweit die gebräuchlichste Form des Gebens. Hier schneiden viele Länder des Südens sehr gut ab, weit vor beispielsweise den Angelsachsen, die üblicherweise die Spenden-Indizes anführen. Im Gesamt-Ranking kommen wir Deutschen so erst hinter Laos, Sierra Leone, Turkmenistan.

Mein TIPP DES MONATS OKTOBER ist also der "World Giving Index" . Statistiken sind immer mit Vorsicht zu geniessen, aber diese finde ich empfehlenswert, weil sie verständlich geschrieben und grafisch gut aufgearbeitet ist, und so nett überkommene Ansichten in Frage stellt.

Zum Beispiel: die Korrelation zwischen "glückliches Land" und "Geben" scheint höher als die zwischen "reiches Land" und "Geben"!
Und auch: Frauen geben wohl doch nur marginal mehr als Männer. Aber in Ländern, in denen Frauen mehr Geld spenden als Männer, liegen die Spendensummen insgesamt höher.

Da haben wir ihn, den Hebel für die spendende Frau. Besser Spenden! meint: Frauen, macht Eure Spendenplanung, macht diese und jene Überweisung - dann wird insgesamt mehr gegeben. Schön wäre es jedenfalls, wenn der Index hier recht hätte!

Tipp des Monats September

Nun ist, im Rückblick auf den Sommer, die Gates/Buffet Milliardär-Spendenselbstverpflichtungs-Sammelaktion („the giving pledge“), doch noch in die Presse gekommen. Und aus den USA meldet sich fast entsetzt ein Fachkollege bei mir: was soll denn diese Kritik aus Deutschland? Dies sei doch nun mal wirklich zu begrüßen!

Die Kritik, in Kürze: was ist das für ein Zustand, wenn Reiche Leute die Wahl haben, nach Belieben entweder zu Spenden oder Steuern zu zahlen? Die Verteidigung: Privat kann’s besser. Beides ist nach meiner Meinung nicht ganz richtig.

Zur Kritik: viele sehr Reiche spenden und zahlen Steuern, in den USA ist das öffentlich (hier leider nicht). Besser ein paar Zahlen liefern, konkrete schlechte Beispiele kritisieren und gute Beispiele propagieren, als Pauschalkritik.

Zur Verteidigung: manches kann Privat sicherlich besser. Aber erstens nervt die Hybris der Privaten, und außerdem hat hierzulande die öffentliche Hand nun mal die Hebel in der Hand. Die neue Begeisterung für ehrenamtliches Engagement in allen Ehren, aber so werden wir die soziale Kluft nicht ausgefüllt bekommen. Was Privat manchmal gut kann, ist bei den Öffentlichen Verbesserungen anzuregen. Wir alle sollten da mitdenken, auch die sehr Reichen (finanz-fachlich: HNWIs „High Net Worth Individuals“, toller Begriff, sind wir denn mehr wert?), und unsere Spendeneuros da unterbringen, wo Menschen und Organisationen daran arbeiten, dass unser Gemeinwesen gerechter wird. Zumindest einige von diesen Spendeneuros. Das Netzwerk progressiver Stiftungen in Deutschland ist vielleicht noch nicht allen bekannt: Netzwerk Wandelstiften.

Besser Spenden! meint deshalb zur „giving pledge“: Wer berät denn die guten Milliardäre? Wer stellt sicher, dass der Milliarden- oder gar Billionensegen an die richtigen Stellen kommt? Erschreckend wenig „charity dollars“ bewirken sozialen Wandel. Die wirklich Bedürftigen, und diejenigen Gruppen, die sich um strukturellen Wandel kümmern, bleiben unterversorgt. Wird sich das ändern?



Tipp des Monats August

Finanzkrise, und kein Ende in Sicht. Auch wenn gerade bei MAN Sommerurlaub gestrichen wird - Fachleute sprechen von einem Nebeneinander von Erholung und Krise. Es ist unwahrscheinlich, dass das aktuelle Zinsniveau absehbar wieder in den gewohnten mittleren einstelligen Bereich zurückkehrt. Angst vor Inflation geht um (obwohl wir gerade gar keine haben).
Was macht der vermögende Mensch in so einer Situation? Besser spenden meint: einen aktuellen frischen Blick wagen und der Ängstlichkeit keine Chance geben.
Falls Inflation kommt, ist jetzt Großzügigkeit angesagt; denn dann ist die finanzielle Zukunft leichter planbar, und Sie sehen genauer, was Sie übrig haben.
Großzügigkeit ist aber auch angesagt, falls keine Inflation kommt: dann ist Ihre Spende jetzt wertvoller als später.



Tipp des Monats Juli

Zeit für etwas Klatsch und Tratsch. Fortune Magazine schrieb am 16.6.2010: wie derletzt an die Medien gestreut wurde, laden Bill und Melinda Gates und Warren Buffet schon seit einem Jahr die 400 Reichsten der USA nach und nach zum Dinner und überreden sie, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden oder zu vermachen. Sie nennen die Kampanie „The Giving Pledge“ (die Spendenzusage); Zielsumme sind 600 Mrd. US-Dollar. Kein Witz. Die Gates’ und Buffet haben längst einen Großteil ihres Vermögens gemeinnützigen Zwecken gewidmet - die genannte Hälfte soll es anderen leichter machen, beizutreten.
Der Artikel in Fortune Magazine ist interessant und die Kommentare endlos und überraschend positiv! http://features.blogs.fortune.cnn.com/2010/06/16/gates-buffett-600-billion-dollar-philanthropy-challenge/
Die Internetseite der Kampanie findet sich unter http://givingpledge.org



Tipp des Monats Juni

(teilweise) in eigener Sache: der Verlag des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen hat mich die immerhin 32seitige Einleitung zum aktuellen "Ratgeber Stiftung und Nachlass" verfassen lassen. Es geht um die grundsätzlichen Überlegungen: ist eine Nachlass-Stiftung das richtige? Was für Alternativen gibt es? Was sind meine sozialen Anliegen? Wo und wie kann mein Geld, auch nach meinem Tod, einen Unterschied machen?

Zu finden und bestellen unter

http://www.stiftungen.org/de/publikationen/neuerscheinungen.html



Tipp des Monats April

Vom Eise befreit…“
Verwenden Sie doch einen Ihrer österlichen Spaziergänge (wetterabhängig: gemütliches Kaffeetrinken) auf das Spendenthema - mit wem auch immer Sie gerne sprechen. Welche Spende hat im letzten Jahr Freude gemacht? Was schien besonders nützlich? Was davon wollen Sie wiederholen und was neu beginnen? Gibt es eine besonders riskante Spende, die Sie doch irgendwie reizt?
Ein Spaziergang und oder ein gründliches Heißgetränk sind eine sehr passende Zeitdauer für so ein Gespräch. Wichtig ist, das Resultat gleich danach festzuhalten. Und wenn Sie das jetzt machen, sind sie schön „früh im Jahr“ für Ihre Spendenvorhaben.



Tipp des Monats März

Einen inspirierenden Blick auf das Spenden-Thema bietet die Internetseite www.hagalil.com, in der Besprechung des wöchentlichen Thora-Abschnitts „Paraschat Teruma“. Es geht um die Sammelaktion anlässlich der Errichtung des Stiftzeltes in der Wüste. Statt „geben“ wird im Text interessanterweise das Verb „nehmen“ verwandt - die Gebenden sind also Empfangende! Wir bekommen, nach dieser Auffassung, ein göttliches Versprechen, dass es uns an nichts mangeln wird.

Hier der Text, mit freundlicher Genehmigung von haGalil. Die Herausgeberin bittet, den Text nicht würdelos zu behandeln (zB wegzuwerfen), da er heilig ist. Also besser nicht gar nicht erst ausdrucken, oder an einem guten Ort aufbewahren.
(ZITAT)

PARASCHAT TERUMA
(Schmot 25, 1 - 27, 19)

Die Kunst des Spendens

Zentrales Thema dieser Parascha ist die Sammelaktion für den Aufbau des Stiftzelts in der Wüste: "Sprich zu den Bnej Jisrael, dass sie für Mich eine Spende nehmen. Von jedermann, den sein Herz zur freiwilligen Spende bewegt, sollt ihr Meine Spende in Empfang nehmen" (Schmot 25, 2).

Es ist kein Zufall, dass diesem Spendenaufruf der Wochenabschnitt Mischpatim vorangeht, in welchem fast ausschliesslich von Zivil- und Strafrecht die Rede ist. Rabbi Baruch Halevi Epstein, der Autor des Kommentars "Tora Temima", sieht darin einen klaren Hinweis, dass nur auf ehrliche Art und Weise erworbenes Geld für einen solchen Zweck verwendet werden darf. Der Prophet Jeschajahu stellt ausdrücklich fest: "Denn Ich, der Ewige, liebe Recht und hasse gestohlenes Opfer" (Jesch. 61, 8). Aus der Sicht der Tora heiligt der Zweck nicht die Mittel.

Auffällig ist die Verwendung des Zeitwortes "Nehmen", wo wir eigentlich ein "Geben" erwartet hätten. Eine mögliche Antwort bietet der Sfat Emet. Indem wir für eine gute Sache geben, beschenken wir gleichsam uns selbst. Gott bedarf des Stiftzeltes nicht, es kommt voll und ganz den Bne Jisrael zugute. Diesen Gedanken greift auch der Talmud auf und lässt Rabbi Jizchak bemerken: "Wer einem Armen eine Münze gibt, wird mit sechs Segnungen bedacht, und wer ihn mit Worten tröstet (weil er selbst kein Geld hat), wird mit elf Segnungen bedacht" (Bawa Batra 9b).

Niemals soll in uns beim Spenden der Gedanke aufkommen, unser Vermögen verringere sich dadurch, im Gegenteil, wir stehen danach innerlich bereichert da, mit dem göttlichen Versprechen, dass es uns deshalb an nichts mangeln wird. Vielleicht deutet das Nehmen der Spende auch an, dass es zuerst einen inneren Widerstand zu überwinden gilt. Man nimmt die Spende, stellt sie bereit, löst sich von ihr und in einem zweiten Schritt übergibt man sie dem Empfänger. Dies würde auch die zweimalige Verwendung des Ausdrucks Nehmen in ein und demselben Passuk erklären.

Die Verwendung der Mehrzahl ("sollt ihr Meine Spende in Empfang nehmen") wird von Rabbi Jakow ben Ascher, dem "Baal Haturim", dahin ausgelegt, dass das Einziehen der Spendengelder mindestens von zwei Personen durchgeführt werden soll. Dies wird auch halachisch im Talmud festgelegt: "Die Beiträge für die Armen-Kasse werden durch zwei Personen eingezogen und durch drei verteilt. Sie werden durch zwei eingezogen, denn man darf über die Gemeinde nicht weniger als zwei Beamte zur Verwaltung von Gemeindegeldern einsetzen. Woher wird dies gefolgert? Rabbi Nachman erwiderte, die Schrift sagt: 'Sie sollen das Gold nehmen' (Schmot 28, 5)" (Bawa Batra 8b).

Die gegenseitige Kontrolle, um Missbrach zu verhindern, ist bis heute gültiges Gesetz und im Schulchan Aruch festgehalten (Jore Dea 256, 3).

Das Ziel der Spendenaktion beschreibt die Tora mit den Worten: "Sie sollen Mir ein Heiligtum schaffen, so dass Ich unter ihnen wohnen werde" (Schmot 25, 8).
"Unter ihnen", das heisst in ihren Herzen, so versteht Rabbi Menachem Mendel von Kozk diese Worte. Wenn wir das Heiligtum in reiner Absicht, mit lauteren Mitteln errichten, so ist Gottes Platz im Herzen jedes einzelnen. So wie der Kozker einst auf die Frage "Wo wohnt Gott?" antwortete: "dort wo man Ihn einlässt".




Tipp des Monats Februar

Wiederholung ist die Mutter des Erfolges - deshalb hier (beim Aufräumen aus den Tiefen gefischt) die 14-Schritte-Kürzestversion von Tracy Gary’s „Giving Plan“ (meine Übersetzung):

1) Verdeutlichen Sie sich, welche Werte Ihnen besonders wichtig sind.
2) Überlegen Sie sich, was Sie in der Welt verändern möchten, und was Sie gerne erhalten möchten.
3) Legen Sie Themen fest und Bevölkerungsgruppen, die Sie unterstützen möchten.
4) Haben Sie offene Ohren und Augen, was die Anliegen in Ihrer Umgebung sind.
5) Machen Sie sich klar, wieviel Zeit und welche Fähigkeiten Sie zur Verfügung haben.
6) Bewerten Sie Ihre gegenwärtigen Spenden.
7) Schreiben Sie ihren philanthropischene Leitsatz nieder.
8) Legen Sie Ihr Spenden-Budget fest.
9) Entscheiden Sie, wieviel Zeit Sie der Philanthropie widmen wollen.
10) Entscheiden Sie, an wen Sie spenden wollen.
11) Entscheiden Sie, in welcher Form Sie spenden wollen.
12) Machen Sie einen Spendenplan.
13) Überprüfen Sie ihren Spendenplan.
14) Aktualisieren Sie ihren Spendenplan.



Tipp des Monats Januar

Buchhinweis: Sind Stiftungen ausreichend gesellschaftlich legitimiert?


Es gibt ein neues Buch zu diesem Thema, „Die Goodwill-Gesellschaft“ von Robert Jacobi. Eben zurück von einem public administration-Studium in Harvard, wundert er sich über die intransparente Stiftungsszene Deutschlands.

Der Untertitel gibt den Kern seiner These wieder: Jacobi hatte dafür eine etwas provokante Frage vorgesehen: „Ist gut gemeint auch gut gemacht?“, aber der Verlag wollte lieber „Die unsichtbare Welt der Stifter, Spender und Mäzene“. Die Themen sind also Ineffizienz und Intransparenz. Die Stiftung Wertevolle Zukunft lud Anfang Dezember ein zur Podiumsdiskussion, die dank guter Moderation (Karin Läsker, Süddeutsche Zeitung) wirklich interessant wurde.

Natürlich war man allseits für mehr Transparenz im Stiftungswesen; zum Thema Effizienz wurde die Diskussion leider etwas unklar, was angesichts der Komplexität des Themas kein Wunder ist.

Welchen neuen Impuls bringt Robert Jacobi? Er erwartet von gemeinnützigen Einrichtungen, dass sie - im Gegenzug zur Steuerbefreiung - nachweislich effizient arbeiten und das der Öffentlichkeit gegenüber auch nachweisen. Das sehen sehr viele StifterInnen und Stiftungen nicht so. Wer stiftet, sieht sich normalerweise als autonom und empfindet eine mögliche Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit als unangemessen. Die Kontrolle durch Finanzamt und Stiftungsaufsicht schafft Arbeit genug.

Die Diskussion (mit Dr. Volker Then und Dr. Steffen Sigmund, beide Uni Heidelberg, und Christian Steinberg, Stiftung Wertevolle Zukunft) zeigte, dass wir hierzulande noch sehr an der Oberfläche dieser wirklich vielschichtigen Thematik herumbuddeln. Leider wurden immer wieder „Effizienz“ und „Effektivität“ verwechselt, und die tiefer liegenden Themen tauchten nur bruchstückweise ans Licht.

Als da sind: Wie sieht eine Evaluation aus, die stimmig ist mit den Stiftungs-Vorhaben und die die Stiftung wirklich voranbringen? Was genau verstehen wir unter Effizienz? Unsere Ziele mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen? Viele Erfolge zu verzeichnen? Und welche Erfolge meinen wir? Ein gestärktes Bewusstsein? Lernerfolge? Und wie messen wir diese Erfolge, unsere soziale Wirksamkeit? Die Ergebnisse sind meist hinterfragbar. Schlimmer noch, was tun bei Misserfolgen? Wer sich messen lässt, riskiert schlecht abzuschneiden. Was ist überhaupt ein Misserfolg? Wie richten wir’s ein, dass wir aus Fehlern Gewinn ziehen?

So sieht (in meinen Augen) der logische Diskussions-Strang aus. Das Center for Social Innovation an der Uni Heidelberg scheint ein Ort zu sein, an dem diese Themen akademisch bearbeitet werden. Die Vermittlung in die Stiftungspraxis wird ein langer Weg sein - die Überlegungen sind komplex genug in Bezug auf eine einzelne Stiftung - in Bezug auf die gesamte Stiftungswelt war das Thema doch etwas zu groß für den Abend und es blieb bei gedanklichen Anregungen.

„Die Goodwill-Gesellschaft - Die unsichtbare Welt der Stifter, Spender und Mäzene“ von Robert Jacobi, Murmann Verlag 2009, Euro 24,90.



Tipp des Monats Dezember

Die Zeitschrift "Stiftung und Sponsoring" baut ihre Internetpräsenz aus, die Seite ist besuchenswert. Beispielsweise finden sich http://www.stiftung-sponsoring.de/top/service.html neben Links zu Institutionen im Stiftungsbereich eine alphabetische Liste von unter Fachleuten begräuchlichen Abkürzungen. http://www.stiftung-sponsoring.de/buecher-aufsaetze.html enthält umfassende Literaturhinweise. Und auch die Anfanggseite, www.stiftung-sponsoring.de, ist aktuell und gepflegt.



Tipp des Monats November

Unter Schwarz-Gelb wird sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verändern, das zeichnet sich überdeutlich ab. „Die Wirtschaft“ soll stärker einbezogen werden. Den Koalitionsvertrag („Entwicklungszusammenarbeit“ steht ab S. 119) und eine aktuelle Stellungnahme von VENRO, dem Zusammenschluss der deutschen Nichtregierungsorganisationen, finden Sie unter www.venro.de.



Tipp des Monats Oktober

Nun gibt es das Gegenstück zu „besser spenden!“: „Stiftungen, Der Leitfaden für Gesuchsteller“ von Elisa Bartoluzzi Dubach, Huber Verlag (Frauenfeld, CH) 2009. Umfassend, praxisnah, und ebenso an Zusammenarbeit orientiert wie „besser spenden!“. Eine Empfehlung.



Tipp des Monats September

Diesmal ein Buchtipp: Michael Göring, „Unternehmen Stiftung, Stiften mit Herz und Verstand“, Carl Hanser Verlag München 2009, 208 S., Euro 24,90.

Ein frisch und ermunternd geschriebenes Buch, besonders die juristische Seite ist gut allgemeinverständlich dargestellt. Kapitel zum Stiftungsmanagement zeigen, eir vielseitig die Aufgaben sind. Es hätte dem Buch noch gutgetan, mit Zahlenbeispielen klarzustellen, wieviel das Stiftungsmanagement kostet und wieviel Stiftungskapital dementsprechend nötig ist.



Tipp des Monats August

August ist der beste Monat zum Spenden. Das halbe Jahr ist vorbei, Sie haben einen gewissen Überblick über das Jahr (oder das Gefühl, einen Überblick zu haben), gerade ist nicht so viel los, viel weniger als im Dezember. Und die Zeit vor Ablauf des Steuerjahres drängt nicht - Sie haben noch Zeit, ein oder zwei Themen zu Recherchieren, bevor Sie die Überweisungsträger unterschreiben.

„Besser Spenden!“ bietet gründliche Hilfestellung, aber Sie können auch „frisch von der Leber weg“ spenden (wenn nicht gar eine Leber).

Folgendermaßen könnten Sie vorgehen:

1) Wem haben Sie im letzten Jahr gespendet? Was davon wollen Sie wiederholen? Tun Sie es einfach gleich.

2) Welche Themen bewegen Sie gerade/mal wieder/besonders? Welcher Organisation ist Ihnen in letzter Zeit aufgefallen? Wer hat interessante Vorhaben, wer hatte Erfolge?

3) Nehmen Sie sich ein Spenden-Budget. Die Höhe Ihrer Krankenversicherung - zehn Prozent Ihres Einkommens vor Steuern - Ihre diesjährige Siemens-Dividende - die gefahrenen Autokilometer im ersten Halbjahr. Verteilen Sie die Summe auf „Ihre“ Organisationen. Fertig.



Tipp des Monats Juli

„Besser Spenden!“ freut sich über ein neues Spenden-Beratungs-Angebot, das mit persönlich gut informiert und vernünftig eingerichtet erscheint: www.spenden-ratgeber.de. Der Autor „dahinter“, Jürgen Reschke, bietet Hinweise nicht nur zu den „üblichen“ Spenden-Fragen wie die Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden, sondern informiert auch in kurzer Form über aktuell förderbare Einrichtungen zu verschiedenen Themen.



Tipp des Monats Mai

Ein Bekannter trug mir folgende interessante Information zu: GehaltsempfängerInnen können eine monatliche Dauerspende direkt von der Einkommensteuer absetzen (bis zu 20 % des Jahreseinkommens)!
Das geht so: Steuerermäßigungsantrag unter D, III, Ziffer 7 entsprechend ausfüllen, mit einer Kopie des Spenden-Dauerauftrages und der ersten Überweisung beim Finanzamt einreichen und die Steuerermäßigung in die Lohnsteuerkarte eintragen lassen.
Dann wird der dieser Betrag gleich, monatlich, von der Einkommensteuer abgezogen, nicht erst Ende des Jahres.
Ihre Lieblingsorganisation freut sich über regelmäßige Spendeneingänge!

Normale Gehaltsempfänger können ihre 20 % höchstmögliche Jahresspende als monatliche Dauerspende zu 1/12 per Steuerermäßigungsantrag monatlich von der Einkommenssteuer abziehen. Und müssen daher nicht per Einmalbetrag, der auf einen Plautz in vierstelliger Höhe oft nicht zu stemmen ist, überweisen.
Weiterer Vorteil, insbesondere für Spendenempfänger : planbare, monatliche Zuwendung.

Das geht so : mit Formular "Steuerermäßigungsantrag", ausgefüllt unter D, III, Ziffer 7, und Kopie des (Spenden-)Dauerauftrages, sowie erster Abbuchung beim zuständigen Finanzamt beantragen, und als Steuerermäßigung in die Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Damit wird der entsprechende Steuerbetrag gar nicht erst vom monatlichen Einkommen abgezogen, sondern steht gleich dem Spendenzweck zur Verfügung.



Tipp des Monats April

Kürzlich in der Hamburger Innenstadt am Samstagnachmittag - Menschenmengen wie in der Adventszeit! Wo ist denn bitteschön die Rezession? Nun, in den Zeitungen steht sie, und die Befürchtung ist, Spenden werden stark zurückgehen in diesem Jahr.
New Philanthropy Capital (GB) hat einige Fragen und Antworten zum Thema formuliert, intelligenter kann ich das nicht - hier ist der Link:

http://www.philanthropycapital.org/downloads/pdf/gi_spring_09_q&a.pdf?A




Tipp des Monats März

Heiter geht’s weiter in der Staffel „Neue How-To-Broschüren von Beratungseinrichtungen“:

Die Bertelsmann-Stiftung gibt derzeit eine ganze Serie solcher Broschüren heraus, „Orientierung für soziale Investoren“ nennt sie sich und sind erhältlich bei bettina.windau@bertelsmann.de, oder 05241 81-81138. Zu betrachten sind sie unter www.soziale-investoren.de. Auch wenn die Bertelsmann-Stiftung selbst marktliberale Positionen vertritt - diese Broschüren sind Übersetzungen und Adaptionen von englischsprachigen Veröffentlichungen, sie stammen von Grantcraft (USA) und new philanthropy capital (UK) - beides Organisationen, die durchaus dem sozialen Wandel verpflichtet sind. Eine Empfehlung also.



Tipp des Monats Februar

Auch McKinsey-MitarbeiterInnen denken sozial und wünschen sich ein soziales Engagment Ihrer Firma. So entstand die Studie „Gesellschaftlichen Wandel gestalten“, zu bestellen über

http://www.mckinsey.de/html/presse/2008/20081222_spendenkultur.asp.

Die Studie basiert auf frischen Interviews mit Vermögenden, StiftungsvertreterInnen und weiteren WissensträgerInnen aus dem Feld des Stiftens und Spendens. Im Resultat läßt sich vieles Bekanntes neu formuliert lesen; die Stärke der Studie liegt sicherlich im unverkrampften Umgang mit den großen Zahlen. Einige Statistiken sind erhellend, und die Grundaussage - eine Erhöhung der Spenden in Deutschland um 50 % liege theoretisch „drin“ - setzt die Zielmarke schön hoch.



Tipp des MonatsJanuar

Winterzeit ist Lesezeit… „besser spenden!“ empfielt drei Leitfäden der Beratungsfirma „active philanthropy“ in Berlin:

David Carrington, „Spenden mit Köpfchen“ (Broschüre)

Burkhard Gnärig, „Wie finde ich die Organisation, die ich unterstützten möchte?“ und „Arbeit mit Organisationen der Zivilgesellschaft - wie bewerte ich die Arbeit einer Organisation?“ (zwei Broschüren)

Alle zu bestellen unter http://www.activephilanthropy.org, dann weiter zu Services, Toolbox, Leitfäden.



Tipp des Monats Dezember


Nun kommen sie, bei mir täglich, die Spenden-Überweisungsträger
mein Tipp dazu: nicht sofort in den Papierkorb, und keinesfalls lose in eine Kiste.

Sondern: gleich ansehen und beurteilen:

1) genau mein Thema

2) irgendwie schon mein Thema

3) weniger mein Thema.


3) zurück an Absender: bitte keine Post mehr (manchmal hilft das eben doch).

2) ditto. Punkt.

1) großzügig sein. Weitersagen.



Tipp des Monats November

Die Finanzkrise macht Ihre Spende noch wertvoller.

Zur Finanzkrise wäre viel zu schreiben. Ich persönlich vermisse noch den folgenden Cartoon, abgeleitet aus 1989: Bekannte Freimarktbefürworter im Demonstrationszug, auf ihrem Transparent steht in großen Lettern, „Sorry, war nur so ne Idee von uns“.

Wie der Spendenmarkt reagiert, werden wir wohl erst später im nächsten Jahr erfahren. Ich befürchte wirklich große Einbrüche. Woraus sich der TIPP DES MONATS NOVEMBER ergibt: Überweisen Sie schon jetzt Ihre geplanten Jahresspenden, nicht erst zu Weihnachten. Man wird es Ihnen danken, schon alleine das Signal.



Tipp des Monats Oktober

Diese Testaments-Idee stammt von einer Bekannten - ich finde sie so interessant, daß ich gebeten habe, sie als Tipp des Monats Oktober einstellen zu dürfen:

Diejenige Stiftung, die meine letzte von „warmer Hand“ gegebene Zustiftung bekommen hat, bekommt das restliche Geldvermögen, das nach Auszahlung aller anderen Vermächtnisnehmer übrigbleibt.“

Vorteil a: meine Interessen mögen sich ändern - auf diese Weise muß ich mich nicht schon jetzt auf die letzte Destinatärin festlegen und auch das Vermächtnis nicht ständig anpassen.

Vorteil b: ich überlege mir jede Zustiftung umso gründlicher; denn möglicherweise bekommt die Empfängerin eine wesentlich größeren Zustiftung.

Vorsicht: Diese Idee ist nicht rechtsanwältlich abgesegnet. Und jeder Fall liegt anders - unbedingt selbst abklären!



Tipp des Monats September

Thema Katastrophenspenden:
Dieser Ratgeber vertritt die These, Just don’t do it! Besser ist die langfristige Förderungen vertrauenswürdiger Organisationen.

Dennoch motiviert eine konkrete Krise zu helfen, aktuell Georgien. Aber wie eine vertrauenswürdige Organisation finden, deren Arbeit langfristig orientiert ist, die gute interne Strukturen hat und die auch in einer Krise dafür sorgen kann, daß die Hilfe zukunftsgerichtet wirksam wird?

Wer für vernünftige Menschen im fürchterlichen Durcheinander in Georgien aktuell etwas tun möchte, hier eine persönliche Empfehlung:

Über filia. die frauenstiftung (www.filia-frauenstiftung.de) kenne ich Frauen des Women’s Fund in Georgia, ansässig in Tblissi (wo jetzt viele Flüchtlinge sind), tätig in mehreren Regionen des kleinen Landes. Filia fördert dort seit 2006 Frauenprojekte, ist zufrieden mit den Ergebnissen und angesichts der Krise in gutem Kontakt mit Tblissi.

Die Internetseite der Georgischen Frauenstiftung enthält eine englische Version und einen Link für direkte Spenden. http://www.womenfundgeorgia.org.



Tipp des Monats August

"Donor Diva" - Spenden-Diva, so nennt sich Tracy Gary, eine Koriphäe unter den BeraterInnen für Stifter und Spender in den USA. Ihr credo:

"I believe that generosity as a global shared value and practice has a powerful role to play as the yeast to get many solutions to social problems, now stagnating, to rise." - "Ich glaube, daß Großzügigkeit als weltweit geteilter Wert und Betätigung eine machtvolle Rolle spielen kann. Sie ist die Hefe, die die Arbeit an vielen sozialen Problemen, die derzeit stagniert, wieder zum Wachsen bringen kann."

Im Feld der "social change philanthropy" hat Tracy Gary 19 Organisationen mitgegründen und war und ist Mitglied von 31 Vorständen. Ihr neuestes Projekt ist "Inspired Legacy" - eine Nachlass-Planung, die auch "weiche" Themen und Philanthropie umfasst. Die Internetseite dazu heißt www.inspiredlegacies.com.

Insbesondere wegen dieses Themas empfehle ich die im letzten Jahr erschienene, erweiterte 3. Ausgabe ihres Arbeitsbuches, "Inspired Philanthropy"

"Tracy Gary, with Nancy Adess, Inspired Philanthropy, Your Step-by-Step Guide to Creating a giving Plan and Leaving a Legacy", Jossey-Bass, San Francisco 2007, 308 Seiten, mit CD-ROM.



Tipp des Monats Juli

Früher waren wir noch dumm - stimmt nicht. Das fand ich jedenfalls, als ich auf meine Spendenplan-Kurzanleitung aus dem Jahre 2002 stieß. Kein Ersatz für den Leitfaden im Buch, aber eine interessante Zusammenfassung. Konzipiert hatte ich die Folien für das Pecunia-Erbinnen-Netzwerk, deshalb der Zusatz „geht auch für Männer“. Inzwischen halte ich die Begriffe „Mann“ und „Frau“ soundso für unzulässige Verkürzungen (den Begriff „Patriarchat“ deshalb noch lange nicht). Aber früher war ich eben noch dumm…


Schritte zum effektiveren Spenden



Tipp des Monats Juni

In Europa ist London (neben Zürich) Vorreiter bei sozialen Investitionen. Investing for Good gibt es seit 2004; die kleine Beratungsfirma ist auf Vermittlung von Investitionsmöglichkeiten, Datensammlung und Marktforschung über soziale Investitionen spezialisiert.


http://www.investingforgood.co.uk




Tipp des Monats Mai

Thema „Exit“. Es ist in vieler Hinsicht gut, schon bei der Planung einer Spende zu überlegen, wie und wann eine Spenden-Beziehung beendet werden soll - und das auch zu kommunizieren.


Unter anderem wird so der professionelle Charakter der Förderbeziehung betont, und die vagen (oft gegenseitigen) Abhängigkeitsgefühle reduziert.


Hier eine neue kurze englischsprachige Studie zum Thema. Der Herausgeber ist Grandcraft, ein US-amerikanischer Fachverband. Er richtet sich an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Förderstiftungen, ist aber durchaus übertragbar auf private Spenderinnen und Spender.


http://www.grantcraft.org/pdfs/guide_exit.pdf



Tipp des Monats April


Heisse Video-Empfehlung (leider auf Englisch) - stark vereinfacht, aber nicht dumm und mit gutem Unterhaltungswert!

http://www.storyofstuff.com




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